Urban Affairs Extended

Muralismo Morte

muralismo morte

Die Wandmalerei ist tot. Ist sie tot? Mit der Ausstellung "muralismo morte" treten zehn junge Künstler aus Kopenhagen, Mailand, Vercelli, Leipzig und Dresden den Gegenbeweis an. Sie alle stammen aus der vitalen Street Art-Szene Europas, die immer wieder totgesagt wurde. Dabei spielen sich in diesem Grenzbereich zwischen Subversion und bildender Kunst oft spannendere Projekte ab als in eingefahrenen Strukturen.

Überall haben sich innovative Street Artisten den Restriktionen von Instanzen und dem weitverbreiteten Unverständnis beugen müssen: Der öffentliche Raum ist/gibt nur noch wenig Spielraum. Aus diesem Grund sind besonders Brachflächen und verlassene Gebäude zu ihren Zielen geworden. Dort entstehen phantastische, kritische und zeitgemäße Kommentare.

Die Dresdner Friedrichstadt bildet ein solches ideales Biotop, das zu Interventionen geradezu auffordert bzw. wie eine große Freiluftgalerie dazu einlädt, die in den letzten Jahren entstandenen Kunstwerke zu entdecken.

In der Motorenhalle schlägt das Herz des Projekts: Hier entsteht ein installatives Gemeinschaftswerk der Beteiligten internationalen Riege. Ein Mosaik aus Doku-Filmen, Fotos, Skizzen und schrägen Artefakten ist zu betrachten, Vorträge der Aktivisten finden statt.

Doch das Blut zirkuliert im Außenraum: "muralismo morte" bietet zusätzlich Rundfahrten zu den Brachflächenoasen des weithin unterschätzten Viertels Friedrichstadt an. Der direkte Kontakt zur Kunst gehört zum Masterplan der Muralisten.

Der Organisator

Kreativer Kopf des Projekts ist Jens Besser, Absolvent der Dresdner Kunsthochschule. Seit 2008 betreibt er mit Freunden das Künstlerhaus KOLONI in Pieschen. Seit 2006 organisiert er die Serie "urban script continues" (Usc), wo bislang Street Art im Allgemeinen thematisiert und mit Vorträge,Ausstellungen, Workshops und Stadtrundgängen vorgestellt wurde.

Förderer

  • Landeshauptstadt Dresden ‒
    Amt für Kultur und Denkmalschutz
  • Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
  • Riesa efau – Kulturforum Dresden
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.

Muralismo Morte

Muralismo Morte

2501

Muralismo Morte

2501 Mailand/It. flickr

2501 ist keine physische Einheit.

2501 ist ein Geist in einer Hülle.

2501 interpretiert seine Umwelt.

2501 verwandelt sich in Zeit ohne Einschränkung von Stil und Medium.

2501 entwickelt sich mit seiner Umwelt, schlägt neue und tiefsinnige Interpretationen vor.

2501 weiß, dass, wenn er die Dämmerung sieht, der Weg durch die Nacht fџhrt.

2501 kann nicht den gepflasterten Wegen folgen.

2501 glaubt nicht an die traditionelle künstlerische Umgebung und ihr organisatorisches Kastensystem.

2501 ist der Ausdruck vieler Künstler und von deren Austausch untereinander.

2501 wählt die Stadt als seinen bevorzugten Raum, um Ideen auszutauschen.

2501 wählt die Stadt als seinen Ausstellungsraum.

2501 weiß, dass es der größte Luxus ist, sich unendlich Zeit zu nehmen.

2501 glaubt, dass sein Privileg sich seine Zeit selbst einzuteilen, ihn dazu verpflichtet, für diejenigen zu handeln, die es nicht können.

2501 glaubt daran, dass Kunst eine kritische Sicht auf die Gesellschaft zeigen sollte, jedoch nicht in einer oberflächlichen Art und Weise, eher durch klare, intelligente Wahrheit.

2501 glaubt, dass die Fähigkeit zum künstlerischen Ausdruck Luxus ist.

2501 Milan/It. flickr

2501 isn‘t a physical unity.

2501 is a ghost in a shell.

2501 interprets the surrounding environment.

2501 transforms himself into time without limits of style or media.

2501 improves himself with the surrounding environment, proposing deep and new ways of interpretation.

2501 knows that to see the dawn there is no other road but the night.

2501 cannot follow the roads already paved.

2501 doesn‘t believe in the traditional artistic environment and its cast system of organization.

2501 is the expression of multiple artists and their exchange with each other.

2501 chooses the urban environment as his privileged space to exchange ideas.

2501 chooses the urban environment as his exhibition space.

2501 knows that the greatest luxury is spending time without limitations.

2501 believes that he shall command his own time to show privilege, so those who aren‘t able to do that all see what it‘s all about.

2501 believes that art should give a critical vision of society not in a superficial manner but in a lucid and intelligent truth.

2501 believes that being able to make art in life is a luxury.

Bera White

Muralismo Morte

Bera Mailand/It. / flickr

Den Hauptanstoß bekam sie 2004, als sie fџr ein Jahr an der Lissabon studierte, wo sie ihre erste Begegnung mit der Siebdrucktechnik

Fotografie zu verbinden pflegte, einer reiche Quelle ihrer kџnstlerischen In Portugal hat sie zahlreiche Drucke fertiggestellt, deren soziale

Paste-ups fџhrten. Mit der Zeit wurden aus Paste-Ups komplexe die Bestandteile verlassener Gebäude und vergessener Orte

Das war der Anfang eines Prozesses, der sie von Paste-ups Abrisshäusern in leere Fabriken fџhrte.

Bera Milan/It. / flickr

The decisive push came her way the year she spent studying Lisbon in 2004, where she had her first encounter with screen

made an enormous amount of prints connected to social themes first paste ups. Slowly the paste ups turned into complex mixed

as settings abandoned buildings and forgotten places.

This was the beginning of a process that led her from paste

abandoned buildings to empty factories.

Ema Jones

Muralismo Morte

Ema Jones flickr

Kain Logos

Muralismo Morte

Kain Logos Dresden/Dt. flickr/website

„Malereien in Abrisshäusern sehe ich zum Einen als Übungen, zum Anderen als spezielle räumliche Erfahrungen. Übungen für Wandmalereien im öffentlichen Raum. Es gibt zu wenige Möglichkeiten im öffentlichen Raum zeitintensiv zu malen. Häufig muss ich ungenehmigt Werke realisieren.

Doch der ständige Zeitdruck ermöglicht es nicht, sich intensiv mit Ort und Inhalt zu beschäftigen. Man bleibt der Oberflächlichkeit verhaftet.

Abrisshäuser ermöglichen Wege, länger an einem Werk zu arbeiten, wenngleich auch dort keine rechtlichen Sicherheiten existieren. Deshalb realisiere ich Werke binnen 12 Stunden. Räumliche Erfahrungen in Abrisshäusern können vielschichtig sein. Jedes Mal findet man neue Formate ‒ mal eng, fast beklemmend, mal weit und großformatig. Unterschiedliche Grundflächen ‒ mal alte, grobe, rissige in sich zusammenfallende Wände, mal glatte weiße Flächen. Oder man findet Spuren. Gemächer Obdachloser, verlassene Büroräume, Maschinenhallen oder leerstehende Wohnungen. All dies beeinflusst die Arbeit in den Gebäuden und fџhrt zu immer neuen Inspirationen.“

Kain Logos Dresden/Ger. flickr/website

„Firstly I look at paintings in abandoned buildings as they were practices to do, secondly they are a special experience with new spaces for me.

Practices how to do wall paintings in public spaces. There are only a few possibilities to paint in public space using time intensively. I often carry out my pieces without having a permission. But the permanent pressure doesn‘t allow me to deal with space and content. You are a prisoner of superficiality.

Abandoned buildings give you the chance to work on pieces longer, even if there are no legal actions to take. So I do my pieces within 12 hours.

Experiences with abandoned buildings may be complex. Every time you find new formats, sometimes narrower and almost pinching ones, sometimes wide and large ones. Different surfaces, sometimes older, cracked ones, crumbling walls, sometimes smooth blank walls. Or you can find traces, homeless people‘s belongings, forgotten offices, machine shops or empty flats. All these factors determine my work in buildings and lead me to find new inspirations.“

Marvin T. Crushler

Muralismo Morte

Marvin Tiberious Crushler Mailand/It. flickr

„Meine Aufmerksamkeit für das Verlassene ist, wie ich glaube, eine Denkweise meiner Generation,

welche die Verschwendung an Eigentum und die Leere der Wertesysteme sieht. DieseGeneration versucht diese Leere mit zufällig ausgewählten Farben aufzufüllen, in dem Versuch,zu verstehen und den nutzbaren kulturellen Raum ständig zu erweitern.

Kultur und Eigentum waren schon immer beste Freunde, bis die Wahrheit zu rosten begann, Dinge, die vorgaben, „selbstgemacht“, „street“ oder „subversiv“ zu sein, werden von ihren eigenen Distinktionen gelangweilt, sodass es immer gilt, deinen Lebensstil zu überdauern und das

Wahre zu wollen, und nicht etwas Nur-für-dich oder eine einzige Nacht.“

Marvin Tiberious Crushler Milan/It. flickr

„My attention to abandonment is, I believe, a generational mindset that in some ways sees the waste of property and emptiness of value systems and wills to fill it rather randomly with colour in an attempt of understanding and furthering any extent of accessible space for culture.

Culture and property have always been best friends until the truth rusts, things forced to be home made or in the streets and subversive can become bored by their own distinctions so it is always necessary to outlast your lifestyle and chase something real, if not just for you or one night of painting.“

Syu

Muralismo Morte

Syru Leipzig/Dt. website

„Abrisshäuser und leere Industriegelände haben schon immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Es sind ausgegrenzte, leere Orte, die voller Vergangenheit stecken, etwas zu erzählen haben. Wichtig waren für mich die ersten Erlebnisse, wo ich mit meinem Bruder an den Wochenenden in einem Abrissgebiet malen war. Dieses Gelände war für mich wie Papier, auf dem ich rumgekritzelt habe. Spannend waren die Geräusche und Gerüche, die man spџrte, es war als ob man an einem verwunschnen Ort wäre ... es ist Spannung da. Unbeschreibliche Gedanken. Diese Erlebnisse und Erfahrungen haben meine kџnstlerische Arbeit und Denken sehr geprägt...

Später wurde die Entdeckung wichtig. Räume, Wände und Ecken zu bearbeiten, Konzepte und eine eigene Sprache zu entwickeln, mit dem Ort umzugehen, seine Geschichte aufzunehmen, mit den Gegebenheiten zu spielen ... Das lebendige zu zeigen, sich einstellen... Das ist mir wichtig.“

Syru Leipzig/Ger. website

I‘ve always been pretty fascinated and impressed by abandoned factories and empty buildings. They are ostracised, empty places filled with their past. They have something to tell. The first experiences were quite interesting for me. The times as I used to paint with my brother near those factories on weekends, I felt like the whole area was a sheet of paper for me I could scribble on. I was surrounded by fascinating smells and sounds. You felt like you were somewhere you want to be. There is a certain tension.

Incredible feelings! These experiences shaped my artistic works and thoughts...

Later on I learnt that discovery was more important. Working on my spaces, walls and corners, having concepts and developing an own language, and dealing with the space. You have to be catchy for its stories and to be able to play with its preferences. This is Important to me.